Filmkritik zum Oscarfavorit BIRDMAN

© Fox Searchlight Pictures

Ich liebe das Kino, weil es mich, vielleicht nicht mehr ganz so oft wie früher aber dennoch immer wieder, zum Staunen bringen kann. Ich sitze dann im Kino mit einer kindlichen Begeisterung, vergesse alle technischen Aspekte wie Kameraeinstellungen oder Schnitt und versinke in den Momenten, welche Kinofilme so besonders machen können. Vorletztes Jahr ist mir dies bei Gravity, letztes Jahr bei Boyhood und dieses Jahr mit BIRDMAN so ergangen.

Birdman ist eine brillant inszenierte Satire auf das Showgeschäft, aber gleichzeitig auch ein feinfühlig erzähltes Drama über einen Schauspieler dessen Leben aus den Fugen geraten ist und seinem Versuch etwas künstlerisch Bedeutendes und Bleibendes zu schaffen.

Im Mittelpunkt von Birdman steht der etwas abgehalfterte Riggan Thomson (Michael Keaton), ein ehemals berühmter Filmschauspieler, der einst große Erfolge in der Superheld-Reihe “Birdman” gefeiert hat. Da diese Erfolge nun schon einige Zeit hinter ihm liegen, versucht er eine Broadway-Adaption von Raymond Carvers “Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden” auf die Beine zu stellen, um seiner Karriere wieder neuen Schwung zu verleihen. Diese Projekt droht jedoch an allerlei Katastrophen und nicht zuletzt an seinem eigenen Ego zu scheitern.

Birdman ist cineastischer Wahnsinn. Der Film ist teils verrückt, teils witzig, oftmals klug und weise und schlußendlich einer der aufregendsten und besten Filme des vergangenen Filmjahres. Regisseur Alejandro Gonzalez Inarritu, bekannt für seine sehr düsteren und schwermütigen Dramen wie Amores Perros oder 21 Gramm, ist mit Birdman ein überraschend leichtgewichtiger aber dennoch tiefgründiger Kinofilm gelungen.

Emma Stone in Birdman - © Fox Searchlight Pictures
Emma Stone in Birdman – © Fox Searchlight Pictures

Nachdem uns der Kameramann Emmanuel Lubezki bereits vor zwei Jahren mit seinen Aufnahmen im Film Gravity erstaunt hat, ist auch in Birdman seine innovative Bildsprache schlicht grandios. Dem Film ist die lange Vorbereitungszeit auf visueller Ebene anzumerken. Birdman spielt nahezu vollständig in den Räumen und verwinkelten Gängen eines Broadway Theaters. Durch geschickte Schnitte und zahlreiche sog. Long Shots/Takes von bis zu 15 Minuten, bekommt der Zuschauer den Eindruck der Film bestehe aus einer einzigen langen, ununterbrochenen Kameraeinstellung. Alles wirkt wie ein wunderschönes, auf den Punkt choreographiertes Ballett, bei der Umgebung und Darsteller förmlich ineinander verschmelzen. Der Zuschauer kann durch die kontinuierliche und subjektive Kameraarbeit die Enge des Broadway Theaters und die emotionalen Ausbrüche der Protagonisten fast schon physisch spüren. Dadurch vermittelt der Film einen einzigartigen emotionalen Rythmus, welcher in seiner Wirkung und Intensitivität nur schwer zu beschreiben ist.

Das Herzstück des Films sind aber seine herausragenden Schauspieler. Drei Schauspieler möchte ich hierbei besonders hervorheben. Der eine ist natürlich Michael Keaton. Michael Keaton spielt die Unsicherheit und Verzweiflung von Riggan Thomson virtuos. Es ist die Rolle auf die Michael Keaton scheinbar jahrzehntelang gewartet hat und damit zugleich die beste Arbeit seiner bisherigen Schauspielkarriere. Der Oscar 2015 als bester Hauptdarsteller wäre auf jeden Fall mehr als verdient. Ein weiteres Highlight ist Edward Norton, der nach erfolgreichen Filmen wie Fight Club, American History X und Zwielicht leider ebenfalls ein wenig von der Bildfläche verschwunden ist. Nach seiner wunderbar leidenschaftlichen, aber dennoch nuancierten Performance in Birdman, stellt sich der Zuschauer durchaus die Frage warum dies eigentlich so ist. Nicht vergessen werden sollte auch Emma Stone. Furchtlos spielt sie die Tochter von Riggan und verkörpert gleichzeitig die Seele und Essenz des Films.

Am Ende ist Birdman in erster Linie eine Hymne auf die Magie des Kinos. Birdman ist ein rasantes Meisterwerk voller Charme, welches den Zuschauer staunen lässt und dieses Jahr völlig zu Recht für neun Oscars nominiert ist.


Bewertung: 5 von 5 Sternen5


für Film-Geek.de