Filmkritik zu THE GOOD WIFE

Machtmissbrauch, sexuelle Entgleisung und eine brave Ehefrau die trotzdem zu Ihrem Mann steht.

Aktueller könnte das Thema, mit dem die großartige Eröffnungssequenz der Pilotfolge von “The Good Wife” beginnt, kaum sein.

Alicia Florrick (gespielt von Julianna Margulies) ist die Ehefrau von Peter Florrick (Chris Noth), dem angesehen Oberstaatsanwalt der Stadt Chicago. Alicia hat zwei Kinder, ist intelligent und hat ihr Leben soweit gut im Griff. Das Leben scheint es gut mir ihr zu meinen ausser vielleicht, dass sich ihr Leben ein bisschen zu sehr auf ihren Ehemann konzentriert. Dieses Leben wird jedoch grundlegend auf den Kopf gestellt als sie erfährt, dass Ihr Mann sie mit Callgirls betrügt und zudem der Korruption angeklagt wird. In den Medien steht Alicia scheinbar weiterhin zu ihrem Mann. Was jedoch passiert, wenn die Kameras aus sind, erzählt die wunderbare Serie “The Good Wife”.

Nachdem ihr Mann wegen den Korruptionsanschuldigungen verhaftet wird, steht Alicia zunächst einmal mit ihren beiden jugendlichen Kindern (eine Tochter und einen Sohn) alleine da. Sie entschliesst sich nach etlichen Jahren wieder in ihrem Beruf als Anwalt zu arbeiten und findet einen Job als Junior Partner bei ihrem ehemaligen Studienfreund Will Gardner, Teilhaber der Anwaltsfirma Lockhart & Gardner. Nach anfänglicher Unsicherheit entwickelt sich Alicia nach und nach zu einer hervorragenden Anwältin und scheint auch ihr privates Leben wieder besser in den Griff zu bekommen.

Alicia Florricks Charakter ist vielschichtig angelegt. Sie ist intelligent, aufrichtig und sehr einfühlsam. Auf der einen Seite ist sie eine sehr starke Persönlichkeit. In Gerichtsverhandlung und gegenüber persönlichen Gegnern ist Sie zum Teil gnadenlos und ihr Auftreten wirkt extrem selbstbewusst. Ein Blick von Alicia reicht und der Zuschauer merkt, dass er sich mit dieser Frau besser nicht angelegen sollte. Auf der anderen Seite ist Alicia sehr verletzlich. Vor allem gegenüber ihren Kindern plagen Sie immer wieder Schuldgefühle und Existenzängste. Von ihrem Mann fühlt sie sich zudem nach wie vor tief verletzt und ihr Vertrauen in die Menschen scheint verloren gegangen zu sein. Genau dies ist der Fluch ihres Lebens – Vertrauen.

Julianna Margulies als Alicia Florick ist eine schauspielerische Offenbarung. Sie schafft es jede Nuance und kleine Andeutung ihres Charakters derart glaubhaft zu vermitteln, das es Filmfans Tränen in die Augen treibt. Julianna Margulies scheinbar mühelose schauspielerische Ausdruckskraft ist fantastisch. Besonders schön ist, dass es Julianna Margulies schafft, Alicia trotz der Unglücke und Schicksalschläge immer wieder auch mit einer Leichtigkeit zu versehen, welche beim Zuschauen Spaß macht. Verdientermaßen ist Sie für Ihre Darstellung in “The Good Wife” bereits mit dem Emmy ausgezeichnet worden.

Eine weitere starke Frau in dieser Serie ist Kalinda (gespielt von der englischen Schauspielerin Archie Panjabi), die Ermittlerin in der Kanzlei Lockhart und Gardner. Kalinda ist ein weiterer wunderbarer Charakter der Serie. Kalinda ist tough, manipulativ, geheimnisvoll und durchweg sympatisch. Kalinda findet relativ schnell heraus, dass Alicia eine gute Anwältin ist. Die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit von Alicia gefällt Kalinda. Hierzu fühlt sie sich scheinbar instinktiv hingezogen. Die Beziehung zwischen den Beiden ist speziell und nicht ohne eine gewissen Spannung.

Die juristischen Fälle dieser Serie werden stets aus Alicias Gesichtpunkt betrachtet. Dadurch, dass es nicht einfach nur um Rechtsfälle selbst geht, hebt sich die Serie von anderen Anwaltsserien deutlich ab. Die Fälle stehen nie für sich, sondern sind lediglich ein Begleiter für den beruflichen und privaten Entwicklungsprozess von Alicia. Trotzdem bieten viele der Fälle einen tiefen und realistischen Einblick in das amerikanische Rechtssystem. Das ist ist zum Teil faszinierend aber oft auch auch erschreckend wie einfach es manchmal scheint, das selbst in Fällen unklarer Beweislage, der Angeklagte für viele Jahre hinter Gitter verschwindet.

Frauen stehen im Mittelpunkt dieser Serie. Trotzdem ist “The Good Wife” weder eine plakative Emanzenshow, noch eine inhaltsleere, lächerliche Serie a la Sex and the City.
Ridley Scott und Tony Scott haben mit “The Good Wife” eine intelligente, spannende und humvorvolle Serie geschaffen, die auch das männliche Publikum begeistern sollte. Aufgrund der hervorragenden Darstellerin und der toll geschriebenen Dialoge ist “The Good Wife” eine der besten Serien der letzten Zeit. “The Good Wife” ist besonders und hebt sich von vielen anderen Serien ab. Am Ende der Staffel steht diesmal auch nicht der obligatorische Cliffhanger sondern eher eine Art moralisches Dilemma. Bleibt nur zu hoffen das “The Good Wife” genug Zuschauer findet, so dass uns diese Serie noch lange erhalten bleibt.