Filmkritik zu THE ARTIST

Gewinner und Verlierer – darum dreht sich die französische Tragikkomödie “The Artist”. Mit dieser Mischung sind der Film und seiner Macher selbst zu den absoluten Gewinnern geworden: Bei der Verleihung der Oscars räumte “The Artist” in Hollywood gleich fünf der renommierten Filmpreise ab. Und zwar unter anderem in den wichtigen Kategorien “Bester Film”, “Beste Regie” und “Bester Hauptdarsteller”. Kein Wunder: Der in schwarz-weiß gedrehte Film ist ein faszinierendes Leinwand-Experiment, das den Zuschauer auf eine Zeitreise in die Kinogeschichte mitnimmt.

Raffiniert erzählt Regisseur Michel Hazanavicius den Karriereweg von George Valentin (Jean Dujardin), einem fiktiven Star des Stummfilms in den 1920er Jahren. Valentin lässt sich auf der Bühne von den Massen feiern, die Zuschauer stürmen zu Millionen in die Kinos, um ihn und seinen Hund Uggy tanzend und flirtend auf der Leinwand zu bewundern. Als Valentin durch Zufall die junge Nachwuchs-Schauspielerin Peppy Miller (Berenice Bejo) kennen lernt und sie fördert, ahnt er nicht, dass sie ihm eines Tages den Rang ablaufen wird.

Denn die Technik entwickelt sich und Ende der 1920er Jahre will das Publikum nur eins: Moderne Filme mit Ton und Dialogen anstatt der bisherigen Werke mit Orchesterbegleitung. So neigt sich die Karriere von Stummfilm-Star Valentin dem Ende zu, während Peppy Miller einen Höhenflug an Popularität erlebt. Trotzdem vergisst der neue Hollywood-Liebling nie den alten Förderer: Als Valentin in der Wirtschaftskrise all sein Geld verliert und sich das Leben nehmen will, ist sie nicht nur für ihn da. Sondern bringt seine Karriere durch eine geniale Idee wieder in Schwung, die ebenfalls Filmgeschichte geschrieben hat – dank dem beliebten Stepptanz erlebten Musicals im Kino und Fernsehen der Nachkriegszeit ihr goldenes Zeitalter.

Zum Großteil ist “The Artist” selbst als Stummfilm gedreht und unterhält den Zuschauer akustisch mit der für die Epoche typischen Piano-Begleitmusik. Regisseur Hazanavicius setzt Ton nur sparsam aber humorvoll ein, um den Übergang vom Stumm- zum Tonfilm und die Hilflosigkeit von George Valentin zu illustrieren. Den Verzicht auf Dialoge, ausgenommen durch einige wenige Einschübe von Schrift, fangen die Schauspieler durch ausdrucksstarke Mimik und Gestik auf. So sorgt “The Artist” mit Ironie und Situationskomik nicht nur für oscarreife Unterhaltung, sondern auch für eine gewisse meditative Faszination, die man im Kino von heute sonst lange suchen muss.