Filmkritik zu SOCIAL NETWORK

The internet’s not written in pencil, Mark. It’s written in ink.

Privatsphäre sei ein Konzept von gestern. Ganz so drastisch hat sich Mark Zuckerberg vor einiger Zeit nicht geäußert, aber er könnte es so oder ähnlich gemeint haben. Wer ist dieser Mark Zuckerberg? Dies versucht uns der aktuelle Film “Social Network” von David Fincher näherzubringen, welchen ich letzte Woche endlich im Kino gesehen habe.

Meine Erwartungen an diesen Film waren nach den hymnischen Kritiken aus Deutschland und vor allem den USA (Durchschnitts-Rating auf rotten-tomatoes.com ist 97%!) riesig. Um es gleich vorweg zu nehmen, der Film ist sehr gut und vielleicht auch der beste Film dieses Jahres. Aber langsam…lasst mich von vorne beginnen.

Im Jahr 2003 startet Mark Zuckerberg als Student der Universität Harvard das Projekt “Facebook”. Sechs Jahre später hat Zuckerberg mit seinem sozialen Netzwerk und fast 500 Millionen weltweiten Nutzern unsere heutige Kommunikation revolutioniert. Ganz nebenbei wird Zuckerberg zum jüngsten Milliardär aller Zeiten.

Diese Geschichte erzählt der Film “Social Network” von David Fincher. Fincher ist nach seinem eher mittelmäßigen “Benjamin Button” wieder zurück als großartiger Geschichtenerzähler. Der Film reiht sich mühelos in seine beiden besten Filme “Seven” und “Fight Club” ein. Die Erzählweise von “Social Network” entwickelt einen unglaublichen Sog, welcher den Zuschauer mitten in die Geschichte um Genie, Erfolg und Verrat hineinzuziehen vermag.

“Social Network” ist in gewisser Weise der Wall-Street Film der heutigen Zeit. Der neue “Wall Street – Money Never Sleeps” von Oliver Stone wirkt dagegen fast ein wenig antiquiert.

Sean Parker: We lived in farms, then we lived in cities, and now we’re gonna live on the internet!

Jesse Eisenberg spielt Mark Zuckerberg in diesem Film. Ich mochte Jesse Eisenberg schon immer, aber mit “Social Network” ist er in der Schauspiel-Liga ganz oben angekommen. Eine Oscar-Nominierung ist ihm wohl sicher. Jesse Eisenberg spielt Mark Zuckerberg als jemanden den Geld nicht wirklich interessiert. Er will die Anerkennung, dass er allein Facebook erschaffen und damit die Welt verändert hat. Auf der anderen Seite ist er jemand der durch seine intellektuelle Arroganz nahezu alle sozialen Beziehungen und Bindungen zerstört. Am Ende verklagt ihn sogar sein einziger richtiger Freund.

Auch die schauspielerische Leistung von Justin Timberlake sollte an dieser Stelle nicht vergessen werden. Er spielt Sean Parker, den Napster Gründer, dermaßen verführerisch und grandios wie einst Michael Douglas seine legendäre Figur Gordon Gekko aus Wall Street.

Sean Parker: You know what’s cooler than a million dollars… A billion dollars!

Ein schöner Aspekt an “Social Network” ist, dass der Film seine Hauptfigur nie offen verurteilt. Am Ende bleibt es dem Zuschauer überlassen, ob er Mark Zuckerberg bewundern oder verachten will. Mark im Film ist arrogant, narzisstisch, herrlich sarkastisch und trotzdem immer auf seine gewisse Weise sympathisch.

Trotz der grandiosen Schauspielerleistung und auch der visuellen Stärke, ist der eigentliche Star des Film das Drehbuch von Aaron Sorkin. Es ist wirklich selten, dass sich ein Mainstream Film komplett auf die Dialoge und das Spiel seiner Protagonisten verlässt. In Social Network wird nicht geschossen, nicht gestorben und Explosionen gibt es auch keine zu sehen. Trotzdem ist der Film so verdammt unterhaltsam und spannend wie kaum ein Film in diesem Jahr.

Facebook bringt die narzisstische Seite in uns allen zu Tage. Wir wollen möglichst viele ” Freunde” haben und uns diesen als wichtig und interessant präsentieren. Mark Zuckerberg hat mit Facebook den Nerv unserer Zeit getroffen. Der Film “Social Network” nimmt uns mit auf diese faszinierende Reise. Ob bester Film oder nicht, eins ist sicher: Anschauen solltet Ihr euch den Film auf jeden Fall.