Filmkritik zu LOST (Finale – 6. Staffel)

Es ist mittlerweile 6 Jahre her als Lost zum ersten Mal 2004 über den Bildschirm flimmerte. Seit dem bin ich ein absoluter Fan dieser Serie. Ich kann mich nicht erinnern, welche andere Serie ich über die Jahre mit solcher Leidenschaft und Begeisterung verfolgt habe. Nachdem nun die letzte Staffel auf DVD/Blu-Ray erhältlich ist, stellt sich die Frage, ob Lost dem immensen Erwartungsdruck der Millionen weltweiten Fans stand halten kann.

Obgleich es zahlreiche Kritiken und Posts im Netz gibt, die ihrer Enttäuschung über die Auflösung von Lost Luft machen, ist die Antwort darauf ein klares JA. Aus meiner Sicht, haben sich alle meine Erwartungen erfüllt.

In Staffel 6 werden die wichtigsten aufgeworfen Fragen der vorangegangen Staffeln aufgelöst. Zugegeben, die Auflösung einige Fragen wie z.B. die genaue Ursache der Flash-Sideways oder die Herkunft des Lichts als Herz der Insel bleibt eher vage und bedarf einiger Interpretation durch den Zuschauer. Zudem werden in Staffel 6 auch einige Bälle in die Luft geworfen (wie z.B. die Infizierung von Sayid) die später nicht mehr aufgefangen werden. Mir persönlich ging es jedoch nie darum, dass alle Mysterien der Staffeln komplett und eindeutig aufgeklärt werden. Was ich erwartet habe, ist ein in sich stimmiges Ende, dass der Geschichte und vor allem den Charakteren gerecht wird. Dies hat Lost im Gegensatz vieler anderer Serien geschafft.

Lost kehrt mit seiner finalen Staffel zu den Ursprüngen der Serie und damit zu Ihren großartigen Charakteren zurück. Trotz aller spannenden Mystery- und Actionelementen waren es immer die Charaktere die Lost zu der hervorragenden Serie gemacht haben die sie zweifelos ist. Wir haben mit den Protagonisten seit Staffel 1 mitgefiebert, mitgelitten und uns mit Ihnen gefreut. Auch aus diesem Grund fand ich das Staffel 1 und jetzt eben auch die letzte Staffel die stärksten Staffeln der Serie sind. Von Staffel 4 und 5 war ich eher etwas enttäuscht (wobei ich diese immer noch großartig fand), da diese den Fokus für meinen Geschmack zu sehr auf actionreiche Twist und Turns setzen, die mir manchmal zu viel des Guten waren.

Bittersüß ist die wohl beste Beschreibung für den Abschluss von Lost. Ich liebe alles an diesem Finale, die Warmherzigkeit, die Blicke der Darsteller, die kleinen Gesten und natürlich den großartigen Soundtrack der für sich allein ein Meisterwerk ist. Es gibt zahlreiche Fans, die sich an den christlich, religiösen Anspielungen am Ende stören. Mir geht das nicht so. Zudem denke ich, dass es hier eher um einen religions-übergreifenden Glauben an die Menschlichkeit geht, als um die Propagierung eines bestimmten, vorgefertigen religiösen Weltbilds. Außerdem enthielt Lost schon immer religiöse und spirituelle Anspielungen, weshalb ich diesen Unmut nicht ganz verstehen kann. Für mich fühlt sich das melancholische, herzergreifende Ende richtig und stimmig an und ich kann mir im nachhinein kein anderes Ende vorstellen, welches diese Serie verdient gehabt hätte. Nach dem Ende der Serie bekommt der Satz von Jack in der ersten Staffel „If we can’t live together, we’re gonna die alone“ ein ganz neue, tiefergehende Bedeutung. Auch der Name “Lost” erscheint in ganz neuem Licht.

Ich glaube nicht, dass es jemals wieder eine Serie wie Lost geben wird. Lost bietet soviel mehr als nur einen spannende Geschichte. Der Serie enthält unzählige Botschaften und Gedanken mit denen sich der Zuschauer auseinandersetzen kann und natürlich als Wichtigstes die zahlreichen Charaktere mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann.

Das Ende macht noch einmal deutlich wie sehr uns Jack, Kate, Locke, Hurley, Sawyer und all die anderen großartigen Charaktere über die 6 Jahre ans Herz gewachsen sind und wie schwer der Abschied von diesen fällt. Doch wie sagt Jack zu Locke so schön in einer der letzten Episoden: „Es ist Zeit loszulassen…“. Dies gilt auch für uns, die Fans dieser Serie.