Filmkritik zu “KILL THE MESSENGER”

© Universal Pictures
“National security and crack cocaine in the same sentence. Does that not sound strange to you?”

 

Der dramatische Politthriller KILL THE MESSENGER widmet sich einem amerikanischen Politskandal der Reagan-Ära, der heute längst vergessen scheint. Jeremy Renner (“Das Bourne Vermächtnis”, “Hurt Locker”) spielt den Journalisten Gary Webb, welcher über die dunklen Ursprünge der Kokain- und Crackflut im Amerika der 80er Jahre berichtet. Hierbei deckt er auf, dass mit dem Wissen der CIA tonnenweise Drogen aus Nicaragua in die Vereinigten Staaten geschmuggelt wurden, mit dem Ziel aus den Erlösen die Contra-Rebellen in Nicaragua zu unterstützen. Nach der Veröffentlichung der explosiven Story wird Gary Webb von den Mächtigen und Mainstream-Medien gezielt aufs Korn genommen und persönlich diffamiert, was seine berufliche Karriere nachhaltig gefährdet und auch die Beziehung zu seiner Familie vor eine Zerreißprobe stellt. In Folge beginnt ein Kampf um seine Familie und journalistische Integrität.

Der Look und die Herangehensweise des Films erinnert auf positive Weise an die politischen Filme der 70er Jahre wie “Die Unbestechlichen” (engl. “All the President’s Men”) und “Die drei Tage des Condors”. Die sehr starke erste Hälfte des Films konzentriert sich dabei nahezu vollständig auf Gary Webb’s journalistischen Recherchen, welche sich von den mächtigen Hallen Washingtons bis nach Nicaragua erstrecken. Dies ist sehr spannend und dynamisch inszeniert. Das KILL THE MESSENGER nicht ganz an seine großen filmischen Vorbilder herankommt, liegt vor allem an der zweiten Hälfte des Films. Nach Veröffentlichung der Story verliert der Film ein wenig an Fahrt und Dynamik. Der Film konzentriert sich hier zu sehr auf Gary Webb’s persönliche Schwierigkeiten und seine familiären Probleme. Dieser Aspekt ist durchaus interessant und sicher auch ein wichtiger Teil der Geschichte, jedoch hätte ich als Zuschauer gerne mehr über die Hintergründe des eigentlichen Politskandals erfahren. Hier werden einige wichtige Fragen offen gelassen bzw. nur angedeutet, was am Ende ein wenig unbefriedigend ist.

“Kill the Messenger” ist nicht perfekt, aber letzten Endes trotzdem ein überaus spannender und unterhaltsamer Film. Obwohl der im Film beschriebene Skandal schon einige Jahre her ist und mittlerweile auch von offizieller Seite bestätigt wurde, scheint das Thema des Films aktueller den je. Das persönliche Diffamierung scheinbar nach wie vor ein probates Mittel zu Diskreditierung von aufmüpfigen Journalisten ist, zeigt zum Beispiel die ebenfalls wahre Geschichte, welche im Film “Fair Game” erzählt wurde. Neu ist jedoch, dass in “Kill the Messenger” maßgeblich die Rolle der amerikanischen Medien kritisch beleuchtet wird. Vor allem die großen Tageszeitungen wie New York Times, Los Angeles Times und Washington Post spielten nach den Enthüllungen von Gary Webb eine schmutzige Rolle. Teils aus Neid und Missgunst und teils aus vorauseilendem Gehorsam gegenüber einflussreichen, staatlichen Behörden, haben diese Zeitungen gezielt dazu beigetragen die Person Gary Webb zu diskreditieren und seinen Ruf als Journalisten nachhaltig zu schädigen. In der Realität gelang es Gary Webb, trotz einer späteren Bestätigung seiner Enthüllungen von offizieller Seite, dann auch niemals mehr, seinen journalistischen Ruf wieder vollständig herzustellen.

Gerade heute, da die glorreichen Zeiten des amerikanischen Investigativ-Journalismus der 60-70er Jahren vorbei zu sein scheinen, ist “Kill the Messenger” deshalb am Ende vor allem ein wichtiger Film, der ein großes Publikum verdient hat.


Bewertung: 4 von 5 Sternen4


für Film-Geek.de