Filmkritik zu GLOOMY SUNDAY

01. Januar 2011 17:55

Gloomy Sunday

Hans Eberhard Wieck (Rolf Becker), ein erfolgreicher deutscher Geschäftsmann, feiert seinen 80. Geburtstag. Aber nicht irgendwo – ihn zieht es in das Budapester Restaurant „Szabó“. Hier genoss er vor 60 Jahren sein heiß geliebtes Rollfleisch. Die Einrichtung und das gute Essen sind geblieben – und das Klavier. So wünscht er sich „das Lied, das berühmte“. Sein Blick wandert zum Foto der einstigen Bedienung Ilona – dann bricht er zusammen…

Nach dem geheimnisvollen Einstieg versetzt eine Rückblende den Zuschauer in das Ungarn der 30er Jahre. Im Restaurant „Szabó“ des jüdischen Betreibers László Szabó (souverän: Joachim Król) fühlen sich die Gäste wohl. Lászlós Speisen verwöhnen den Gaumen, seine charmante Partnerin und „Augenschmaus“ Ilona Várnai (bezaubernd: Erika Marozsán) weckt bei Männern Lust auf Nachtisch. Der neu engagierte Haus-Pianist András (Stefano Dionisi) widmet ihr ein mystisches „Lied vom traurigen Sonntag“, das die Popularität des Lokals steigert, Menschen in den Freitod treibt und ihn der Angebeteten näher bringt – der Beginn einer leidenschaftlichen Dreiecks-Konstellation. Ist für gewöhnlich bei Dreien einer zu viel, tritt ein weiterer Verliebter auf: Der junge Hans Wieck (Ben Becker) hält um Ilonas Hand an. Nachdem Jahre später die Nazis Ungarn besetzt haben, nimmt das Drama seinen Lauf…
01. Januar 2011 17:55

L(i)eben und Tod…

In der 108-minütigen deutsch-ungarischen, auf einem Roman von Nick Barkow basierenden Produktion bekommen alle Figuren die Kraft der Liebe zu spüren. Versuchung, Verschmähung, Verzweiflung, Eifersucht, Untreue – stets treibt sie die Handlung voran und bewegt den mitfühlenden Zuschauer. „Gloomy Sunday“ auf ein gefühl- und stimmungsvoll inszeniertes Melodram einer ménage à trois zu reduzieren, ist jedoch wegen der Einbettung in die NS-Thematik zu wenig. Vielmehr ist es dem Regisseur Rolf Schübel – auch durch die Beteiligung an der Drehbuch-Arbeit von Ruth Toma – gelungen, ein häufig gezeigtes Stück Zeitgeschichte auf ganz eigene Weise auf die Leinwand zu bringen. Eindrücklich und bewegend zugleich überzeugen vor allem die Bilder, die aus eigener Kraft heraus wirken.

Gänsehaut-Song

Joachim Król als einfühlsamer Wirt, dem eine geteilte Ilona immer noch lieber als keine sei, Erika Marozsán mimt überzeugend eine Frau, die zwischen den Stühlen sitzt, Ben Becker stellt einen rauen, skrupellosen SS-Mann dar – neben hervorragenden Schauspielleistungen besticht der Film durch die Hauptrolle des sehnsuchtsvollen Liedes „Trauriger Sonntag“. In den 30ern von Rezső Seress, einem ungarischen Pianisten in einem Budapester Restaurant komponiert, avancierte es rasch zum „Selbstmordlied“, erlangte weit über die Grenzen hinaus Bekanntheit.

Das Streben nach Glück und Gerechtigkeit machen „Gloomy Sunday“ zu einem (be)rührenden Film, dessen Rahmengeschichte für eine spannende Dramaturgie mit kraftvollem „Schlussakkord“ sorgt.