Filmkritik zu FROZEN RIVER – AUF DÜNNEM EIS

03. März 2011 10:17

“The most exciting thriller I’ve seen this year…it took my breath away”.

Mit diesem Zitat von Quentin Tarantino wirbt das DVD-Cover des Films “Frozen River”. Zudem ist dort eine Frau mit Revolver abgebildet. Diese Werbestrategie ist etwas fragwürdig, da Sie den potentiellen Zuschauer ziemlich in die Irre führt. Ich kann mir denken, was Quentin Tarantino mit seinem Zitat gemeint hat, aber “Frozen River” ist sicher kein Thriller im herkömmlichen Sinn. Wer einen klassischen Thriller erwartet wird wohl enttäuscht werden.

Frozen River ist ein kleiner, langsam erzählter Film, welcher die Geschichte seiner beiden Hauptprotagonisten Ray und Lila, gespielt von Melissa Leo und Misty Upham erzählt. Ray lebt mit ihren beiden Söhnen in einem Trailer-Park an der kanadischen Grenze in der Nähe des Mohawk Indianerreservats. Ray wird von Ihrem spielsüchtigen Mann kurz vor Weihnachten verlassen. Dieser lässt dabei alle Familien-Ersparnisse und auch das Familienauto mitgehen, so dass Ray nicht mehr genug Geld hat um Ihre beiden Söhne anständig zu ernähren geschweige denn Ihnen Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Auf der Suche nach Ihrem Mann trifft sie auf Lila Littlewolf (Misty Upham). Lila lebt ihm Indianareservat ebenfalls in einem Wohnwagen. Nach der Geburt Ihres Sohnes wurde Ihr das Kind von der Schwiegermutter weggenommen. In Ihrer Misere schließen sich die beiden Frauen zusammen, um illegale Einwanderer von Kanada über einen gefrorenen Fluss in die USA zu schmuggeln.

Klingt nach einen ziemlich depressiven Geschichte, oder? Ist sie auch und trotzdem solltet ihr euch den Film ansehen. Frozen River ist ein kleiner Film der nahezu alles richtig macht. Die Story fühlt sich stimmig und echt an und widersteht zum Glück der Versuchung die Geschichte in irgendeine Art von Thriller zu verwandeln. Hier geht es um das ökonomische Überleben zweier Frauen und Ihrer Familien. Die Schauspielerleistungen von Melissa Leo und Misty Upham sind herausragend und auch deshalb hat der Film 2008 den Sundance Grand Jury Price gewonnen. Der Film enthält zudem einige subtile Anspielungen auf den unterschwelligen Rassismus in den USA ohne jedoch die große plakative Rassismus-Karte zu ziehen.

Einige Unstimmigkeiten enthält der Film trotzdem. Manchen Situationen wirken etwas aufgesetzt und künstlich dramatisch. Zum Beispiel ist es etwas komisch, dass Ray den Stoffsack zweier pakistanischer Einwanderer, aus Angst dieser könnte eine Bombe enthalten, aus Ihrem Auto- Fenster auf den zugefrorenen Fluss wirft und später auf dramatische Weise herauskommt, dass sich in diesem Sack das Baby der Einwanderer befindet. Warum können die Einwanderer diesen Umstand Leo nicht mitteilen?

Nichtsdestotrotz ist der Film sehenswert und insbesondere das Unspektakuläre, aber dermaßen menschliche Ende der Geschichte hat mich emotional wirklich umgehauen.