Filmkritik zu DRIVE

Drive glänzt durch eine dünne Story, hat kaum Dialog und ist trotzdem einer der besten und mutigsten Hollywoodfilme seit langer Zeit.

Ryan Gosling spielt “The Driver” einen Mann ohne Namen. Tagsüber arbeitet er als Stunt- und Rennfahrer, in der Nacht fährt er das Fluchauto für Kriminelle. Dabei hat er eine sowohl strenge aber auch einfache Regel. Dauert ein Überfall länger als 5 Minuten sind die Verbrecher auf sich allein gestellt. Halten sie jedoch die Zeit ein so können sie sich auf den Besten Fahrer überhaupt verlassen. Die Dinge werden jedoch komplizierter als “The Driver” seine Nachbarin Irene und ihren kleinen Sohn kennenlernt und ihrem Mann (einem Ex-Knacki) bei einem Überfall behilflich ist, der jedoch komplett aus dem Ruder läuft.

Any dreams you have or any plans for the future, think you would have to put that on hold. For the rest of your life you will be looking over your shoulder. (Zitat aus dem Film Drive)

Drive steht in Tradition zu den glorreichen Zeiten von Filmen wie Bullit mit Steve McQueen und den frühen Michael Mann Filmen. Ryan Gosling spielt den schweigsamen, einsamen und integeren Helden, der sich voll und ganz durch sein Handeln definiert. Carey Mulligan spielt Irene als personifizierte Verletzlichkeit.

Inszenatorisch entfaltet der Film eine deratige Sogwirkung der sich der Zuschauer nicht entziehen kann. Ursache hierfür sind die durchgestylten Bildkompositionen und das perfekte Sound-Design (wenigstens hierfür sollte Drive den Oscar bekommen). Der sphärische Retro-Soundtrack passt perfekt und unterstützt die Stimmung des Films in allen Belangen. Auf den Fahrten durch Los Angeles verschmilzt “The Driver” und sein Auto förmlich mit dieser Stadt und wird ein Teil von ihr. Der Film ist voll von magischen Film-Momenten. In der Aufzugsszene in der “The Driver” Irene zärtlich und behutsam hinter sich schiebt, um diese vor dem Killer neben Ihnen zu schützen, ist eine Szene für die Filmgeschichte.

Die Gewaltausbrüche in diesem Film sind kurz und heftig und treffen den Zuschauer aber oftmals wie ein Vorschlaghammer. Glücklicherweise fügen sich die wenigen aber heftigen Splatterszenen perfekt in den Film ein. Diese wirken stets gerechtfertig und verkommen deshalb an keiner Stelle zum reinen Selbstzweck.

Ryan Gosling ist eine schauspielerische Wucht in diesem Film. Er ist charismatisch wie James Dean und talentiert wie der junge Marlon Brando. Ryan Gosling spielt seine Rolle derart reduziert aber doch so ausdruckstark und emotionsbeladen wie es aktuell nur wenigen Schauspielern gelingt.

Regie führt der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn. Er ist einer der jungen Wilden die Hollywood derzeit aufmischen. Drive ist sein erster Hollywood Film und es ist erstaunlich, wie dieser es geschafft hat, die Vision seines Films zu bewahren. In einem Interview meinte Regisseur Nicolas Winding Refn, dass er sich bei Drive von den Märchen der Gebrüder Grimm inspirieren ließ. Der Film spielt mit den märchenhaften Grundelementen wie Schwarz und Weiß bzw. Licht und Schatten sowohl inhaltlich als auch visuell.
Eine große Stärke des Films sind die sehr reduzierten Dialoge und die ausdruckstarke Bildsprache und musikalische Untermalung die es schaffen eine derartige Spannung aber auch Ruhe aufzubauen, wie ich es selten in einem Film gesehen habe.

Drive ist all das was ein Film sein kann: Poetisch, magisch und stilvoll. Drive ist nicht nur Unterhaltung sondern ein Kunstwerk und noch dazu ein verdammt cooles obendrein.
Abschließend hätte ich noch eine Bitte: Geht ins Kino und schaut euch diesen Film an. Drive ist genau die Art von Hollywood-Filmen die wir in Zukunft öfter sehen wollen.