DIE LETZTE SAU Filmkritik – Filmfest München 2016

Aus Aus "Die Letzte Sau" © Filmfest München

Nach dem erstaunlichen Debüt „Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel“, welcher quasi ohne finanzielle Förderung gedreht wurde und dem etwas zu konventionell geratenen “Highway to Hellas”, kehrt Aron Lehmann mit seinem dritten Spielfilm DIE LETZTE SAU, zurück zu seinen Wurzeln.

Der schwäbische Kleinbauer Huber gehört zu den Verlierern in einer Welt in der allein wirtschaftliche Effizienz, Größe und Schnelligkeit als Maßstab gelten. Sein Hof kann mit den großen Mastbetrieben nicht mithalten und steht kurz vor der Pleite. Hinzu kommt, dass seine Liebe Birgit den landwirtschaftlichen Großbetrieb ihres Vaters in Brandenburg übernimmt. Als wäre dies nicht schon genug, zerstört ein Meteorit unerwartet seinen Hof. Bauer Huber hat nun endgültig die Schnauze voll von dieser Welt. Er packt das letzte noch übrig gebliebene Schwein auf den Beifahrersitz seines alten Mofas und begibt sich auf Reise durch die schwäbische Provinz. Hierbei trifft er auf zahlreiche Gleichgesinnte und zettelt ganz nebenbei eine Revolution an.

Mit großer Leichtigkeit und anarchischem Witz behandelt „Die letzte Sau“ zahlreiche Themen, die in unserer Welt schief laufen: Hochindustrielle Agrarfabriken, welche Tiere ohne jegliches Mitgefühl zur Sache degradieren und Existenzen von Kleinbauern rücksichtslos vernichten; gierige Banker, welche dem kleinen Mann auch noch den letzten Groschen aus der Tasche ziehen; öffentliche Seen, deren Ufer durch die Villen reicher Schnösel zugebaut werden und Bienen, welche dank hochgiftiger Unkrautvernichtungsmittel zunehmend durchdrehen.

Die “Letzte Sau” erinnert oftmals an eine Parabel. Bauer Huber ist der Narr, der die Wahrheit spricht und durch sein empathisches Handeln andere Menschen mitreißt und unverhofft eine Revolution auslöst. Das Schwein ist die treue Gefährtin, welche unseren Helden bei seinem Kampf für eine bessere Welt mit stoischer Gelassenheit zur Seite steht.

Schön ist, dass der Film zu keinem Zeitpunkt die Moralkeule schwingt, sondern mit entwaffendem Witz und herzerfrischend wilden Einfällen den Zuschauer mühelos auf seine Seite zu ziehen vermag. Trotzdem bleibt es dem Zuschauer dann am Ende wohl doch nicht erspart, sich zu fragen, ob wir uns alle nicht etwas zu sehr an den Status Quo dieser Welt gewöhnt haben und teils aus Selbstschutz teils aus Bequemlichkeit einfach nicht mehr genau hinsehen wollen.

In der wunderbaren Schlussszene des Films ist die Welt eine andere, eine schönere. Am Ende scheint alles möglich, auch außerhalb dieses Kinosaals.


Bewertung: 5 von 5 Sternen4


für Film-Geek.de