Legendäre Filmklassiker – Gregory Peck in “Wer die Nachtigall stört “

© Universal Pictures

“There’s a lot of ugly things in this world, son. I wish I could keep ’em all away from you. That’s never possible.” – Atticus Finch

Sehr selten gibt es einen Film der in seiner Machart sehr einfach, aber in seiner Ausdrucksstärke zeitlos ist und die Kraft besitzt beim Zuschauer etwas Bleibendes zu hinterlassen. “Wer die Nachtigall stört” (engl. To Kill A Mockingbird) ist so ein Film.

Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen Buches von Harper Lee. Der Roman wurde mittlerweile über 30 Millionen Mal verkauft. In einer amerikanischen Leserumfrage von 2009 wurde “To Kill A Mockingbird” noch vor der Bibel auf Platz 1 der inspirierensten Bücher aller Zeiten gewählt.


Ausschnitt aus dem Filmklassiker ‘Wer die Nachtigall stört’ – © Universal Pictures

“Wer die Nachtigall stört” mit Gregory Peck ist starker, würdevoller Film, der uns vor Augen führt, was Zivilcourage bedeutet. Der Film beginnt mit einer wunderbaren poetischen Titelsequenz, welche uns eine Zeit zeigt, in der alle Schätze einer Kindheit noch in eine kleine hölzerne Zigarrenschachtel gepasst haben. In Nahaufnahme sehen wir Malstifte, Holzfiguren und jede Menge weiteren kindlichen Krimskrams. Eine eine alte Taschenuhr tickt lautlos vor sich hin. Im Hintergrund hören wir das spielerische Summen von Scout. Eine Murmel gerät in Bewegung und stößt eine weitere Murmel an. Die Filmmusik setzt ein und der Film beginnt.

“Wer die Nachtigall stört” spielt während der großen Depression der 1930er Jahre in der kleinen Stadt Maycomb im südlichen US-Bundesstaat Alabama. Die Menschen sind arm aber nicht unglücklich. Der Anwalt Atticus Finch lebt zusammen mit seinen zwei Kindern Jem und Scout in einem kleinen Häuschen. Ihr Leben verläuft zunächst in ruhigen Bahnen, bis Atticus eines Tages die Verteidigung des jungen Afroamerikaners Tom Robinson (eindringlich gespielt von Brock Peters) übernimmt. Diesem wird die Vergewaltigung einer weißen Frau vorgeworfen. Schnell ist jedoch klar, dass alle Vorwürfe haltlos und falsch sind. Trotzdem ist Atticus und seine beiden Kinder immer wieder den Anfeindungen und rassistischen Vorurteilen einiger Einwohner von Maycomb ausgesetzt. Atticus lässt sich jedoch nicht einschüchtern und kämpft weiter für die Freilassung und gerechte Behandlung von Tom Robinson.


Jem und Scout in ‘Wer die Nachtigall stört’ – © Universal Pictures

“Wer die Nachtigall stört” ist ein außergewöhnlicher Film. Ein Grund hierfür sind Jem und Scout, gespielt von Philip Alford und Mary Badham. Ihre schauspielerische Leistung ist für den Film elementar, da die dramatischen Ereignisse vollständig aus der kindlichen Perspektive von Scout geschildert werden. Philip Alford und Mary Badham hatten bis dahin keinerlei Erfahrung vor der Kamera. Dies macht ihr ungezwungenes und natürliches Auftreten im Film umso bemerkenswerter. Geholfen hat ihnen sicherlich die familiäre Atmosphäre am Set. Regisseur Robert Mulligan ließ die Kinder während der Drehpausen meist frei am Set rumtoben und zudem konnten sie an den Wochenenden auch öfters mit den tatsächlichen Kindern von Gregory Peck spielen. Der liebevolle Umgang zwischen allen Beteiligten an diesem Film ist in nahezu jeder Szene zu spüren und lässt die menschlichen Beziehungen in “Wer die Nachtigall stört” so echt und natürlich wirken.


Gregory Peck als Atticus Finch in ‘Wer die Nachtigall stört’ – © Universal Pictures

Trotz der überzeugenden Leistung aller Schauspieler ist “Wer die Nachtigall stört” ohne Zweifel der Film von Gregory Peck. Er ist die Personifizierung von Atticus Finch und vermutlich deshalb so glaubhaft, weil er die Menschen auch in seinem wahren Leben an ihn erinnerte. Atticus ist ein Mensch der an die Integrität und Gerechtigkeit der Justiz glaubt, ohne dabei das oftmalige Versagen des Rechtsystems zu verdrängen. Er glaubt an seine Pflicht, gegen alle äußeren Widrigkeiten das Richtige tun zu müssen. Hinzu kommt eine tiefe Liebe zu seinen Kindern. Nie behandelt er sie von oben herab, sondern stets mit Respekt und Ehrlichkeit, ohne jedoch dabei zu vergessen ihnen einen moralischen Werterahmen zu vermitteln und Empathie für andere Menschen zu lehren. Gregory Peck bezeichnete “Wer die Nachtigall stört” als seinen besten Film und die Rolle seines Lebens. Bis zu seinem Tod hatte Gregory Peck eine freundschaftliche Beziehung zu Mary Badham (Scout). Viele Jahre später erzählte Mary Badham, dass sie Gregory Peck auch im echten Leben am liebsten Atticus nannte. Atticus Finch gilt bis heute für viele Menschen als moralische Instanz. Nicht ohne Grund wählte das ‘American Film Institute’ Atticus Finch auf Platz 1 der größten Filmhelden aller Zeiten (siehe hier).

Aller dramatischer und hässlicher Ereignisse zum Trotz bleibt “Wer die Nachtigall stört” immer auch hoffnungsvoll. Am Ende ist es dann auch der Außenseiter Boo Readly der Jem und Scout das Leben rettet. Als Scout ihren Retter hinter Jem’s Zimmertür erblickt, durchbricht sie seine jahrelange gesellschaftliche Ausgrenzung mit den einfachen Worten “Hallo Boo!”. Boo (großartig gespielt von Robert Duvall) reicht ein Blick, um in seine warmherzige aber auch gepeinigte Seele blicken zu lassen. Seine Verbindung zu Jem und Scout ist offenkundig. Die beiden leben für ihn die ideale Kindheit, die er selbst nie gehabt hat. Wie Tom Robinson, hat Boo niemals jemanden Schaden zugefügt und muss trotzdem um sein Recht fürchten, in dieser Gesellschaft existieren zu dürfen. Wenn ich an diese Szene zurückdenke, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut. Dieser einzigartige Filmmoment ist schlicht und unprätentiös aber zugleich dermaßen wahrhaftig und herzzerreißend, dass dem Zuschauer am Ende gar keine Wahl bleibt, als den Glauben an die Menschlichkeit zurückzugewinnen. Robert Duvall hat mit seinem wortlosen Auftritt als Boo seine Kinokarriere begründet und ist ein scheinendes Beispiel dafür, was Schauspielerei bedeutet.

“Wer die Nachtigall stört” alleine als Filmklassiker zu bezeichnen, wird diesem Film nicht gerecht. Neben seiner immensen politischen Bedeutung, ist er vor allem ein poetisches Meisterwerk, welches unsere Seele berührt. Ich liebe alles an diesem Film, die Warmherzigkeit, die Blicke der Darsteller, die kleinen Gesten und natürlich den großartigen Soundtrack der für sich alleine ein Meisterwerk ist. “Wer die Nachtigall stört” wird ohne Zweifel für alle Zeiten als filmischer Meilenstein in Erinnerung bleiben, der auch die Herzen künftiger Generationen im Sturm erobern wird.

“Wer die Nachtigall stört” ist mit zahlreichen interessanten Extras als 50th Anniversary Edition Blu-ray erhältlich.


‘Wer die Nachtigall stört’ Blu-ray Cover – © Universal Pictures