DVD- und Filmkritik zu UNDER THE SKIN

UNDER THE SKIN DVD-Kritik © Senator Film

Der Arthouse-Film UNDER THE SKIN hat bei zahlreichen, vergangenen Festivalaufführungen das Publikum gespalten. Am 10.Oktober wird UNDER THE SKIN nun ohne offiziellen deutschen Kinotermin direkt als DVD, Blu-ray und VOD erscheinen.

Die starke Polarisierung des Films ist aufgrund der unterschiedlichen Erwartungshaltung vieler Zuschauer verständlich. Trotz einer Scarlett Johansson in der Hauptrolle, ist UNDER THE SKIN kein konventioneller Science-Fiction Thriller, sondern letztendlich eine experimentelle, kunstvolle Gesellschaftsstudie. Es gibt kaum Dialoge, keine Identifikationsmöglichkeiten und auch keine offensichtlich stringente Erzählstruktur, wobei diese hier letzten Endes auch nicht notwendig ist.

Die grundlegende Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Laura (Scarlett Johansson) ist ein Alien, dass in Gestalt einer verführerischen jungen Frau auf die Erde (nach Schottland) gesandt wurde, um einsame Männer in ihren Lieferwagen zu locken, diese zu verführen und schließlich zu töten damit deren Fleisch als Delikatesse an ihren Heimatplaneten geliefert werden kann. Mit der der Zeit kommen Laura jedoch Zweifel an ihrem Auftrag und sie beginnt ein eigenes Identitätsbewusstsein zu entwickeln.

UNDER THE SKIN ist kein herkömmlicher Spielfilm, sondern eine Art Kunstfilm oder gar surreale Traumsequenz mit zahlreichen Motiven und Bedeutungsebenen. Dabei spielen die Themen Einsamkeit, menschliche Beziehungen, Schöpfung und Transformation eine maßgebliche Rolle. Aber auch ohne tiefergehende Interpretation ist UNDER THE SKIN vor allem visuell und stilistisch atemberaubend. Die hypnotischen und surrealen Bilder ziehen den Zuschauer in eine unterbewußte Traumwelt und hinterlassen, sofern man sich darauf einlassen möchte, eine sehr tiefgehende Sogwirkung und Anziehungskraft.

Aufgrund der fehlenden klaren Erzählstruktur ist die Bildsprache des Films von zentraler Bedeutung. Um eine vage Einordnung vorzunehmen, kann Jonathan Glazer’s UNDER THE SKIN am ehesten mit der visuellen Sprache von Stanley Kubrick und David Lynch verglichen werden. UNDER THE SKIN transportiert ein Gefühl, welches durch mystische Bilder beschrieben wird. Der Zuschauer erlebt den kompletten Film aus der Sicht der außerirdischen Laura, welche von außen auf unsere menschliche Gesellschaft blickt. Dieser Blick ist anfangs sehr objektiv und sachlich, da Laura zunächst keine eigene Identität besitzt und lediglich darauf konzentriert ist, als außerirdische Arbeitsbiene, ihren Auftrag auszuführen. Im Verlauf des Film wird der Blick jedoch subjektiver und emotionaler, da Laura sich zunehmend ihrer Persönlichkeit bewusst wird und so etwas wie Menschlichkeit in sich entdeckt. Jonathan Glazer beschrieb in einem Interview die Transformation von Laura als die Entwicklung von einem “Es” zu einer “Sie”.

Große Teile des Films wurden mit verstecken Kameras an realen Schauplätzen und mit normalen Menschen gefilmt, so dass sich diese nicht bewusst waren in einem Spielfilm mitzuwirken bzw. mit Scarlett Johansson zu interagieren. Diese aufwendige Maßnahme verstärkt den Realismus des Films und das bedrohliche und unbehagliche Gefühl, dass sich ein Alien unbemerkt in unsere Welt einschleust hat und uns beobachtet. Scarlett Johansson schaupielerische Leistung und ihr Mut diese Rolle an die Grenze zu treiben sind außergewöhnlich. Mit viel Improvisation und fast gänzlich durch Mimik und Körpersprache verbreitet sie etwas Dunkles und Geheimnisvolles, dass den Zuschauer geradezu magnetisch in seinen Bann zieht und bis zum Ende des Films nicht mehr loslässt.

An der technischen Qualität der DVD (Bild und Ton) gibt es nichts zu bemängeln. Die Extras der DVD sind jedoch leider nur Standard. Lediglich typische Extras wie ein Making-Of und zwei kleinere Featurettes sind vorhanden. Diese sind zwar durchaus interessant aber z.B. ein Audiokommentar oder ein Vergleich mit dem zugrundeliegenden Roman wäre für eine tiefergehende Beleuchtung des Films wünschenswert gewesen.

Alles in allem ist UNDER THE SKIN aber ein einmaliges Meister- und unglaublich schönes Kunstwerk. Auch wenn der Film an manchen Stellen vielleicht anstrengend oder gar langweilig ist, bleibt schlussendlich ein außergewöhnliches Filmerlebnis, welches wortwörtlich unter die Haut geht und noch lange nachhallt.


Bewertung: 5 von 5 Sternen5


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